Hufrollenentzündung (Podotrochlose)

Die Hufrollenentzündung ist neben der Hufrehe eine der gefürchtetsten Huferkrankungen, mit einer meist nicht minder emotionalen Geschichte. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass manche Tierärzte bei einer unklaren Lahmheit der Vordergliedmaßen gerne und vorschnell die Diagnose "Hufrolle" stellen. Dabei ist die Hufrollenerkrankung aufgrund ihrer Komplexität eine schwer zu diagnostizierende Krankheit. Die Keilprobe und selbst sichtbare Veränderungen auf dem Röntgenbild sagen erst mal gar nichts aus. Daneben müsste noch eine Leitungsanästhesie (lokale Betäubung jeweils eines bestimmen Nerven) durchgeführt werden, welche die Herkunft der Schmerzen aber auch nur grob eingrenzen kann. All diese Diagnoseverfahren dienen am Ende dazu dem Pferdebesitzer eine angeblich unheilbare Krankheit anzudrehen, die nur noch mit Nervenschnitt oder orthopädischen Beschlägen und Hochstellen der Trachten gelindert werden kann. Solche Maßnahmen sind kurzsichtig gedacht, denn die Beschläge müssen immer extremer werden, bis gar nichts mehr geht. Die Diagnose Hufrolle muss nicht das Aus für das Pferd bedeuten, sondern mit NHC Hufpflege und der Hilfe von Hufschuhen mit Strahlpads stehen die Chancen sehr gut für die Genesung des Pferdes.

Hufrollenkomplex - PodotrochleaDer Hufrollenkomplex

Unter Hufrollensyndrom oder Stahlbeinlahmheit wird eine entzündliche, funktionsmindernde Veränderung am Hufrollenkomplex verstanden. Die Hufrolle beinhaltet das Strahlbein, den Teil der tiefen Beugesehne, die über das Strahlbein läuft, den dazwischen liegenden Schleimbeutel und im Entfernten auch die Haltebänder für das Strahlbein. Im leichteren Fall sind Sehne, Bänder und /oder Hufrollenschleimbeutel betroffen und im schweren Fall ist (auch) der Knochen betroffen. Die akute Hufrollenentzündung (Podotrochlitis) ist eine Entzündung im Bereich der Hufrolle, bei der noch keine Veränderungen auf dem Röntgenbild zu sehen sind. Im chronischen Zustand (Podotrochlose) hat im Hufrollenbereich schon Gewebeab- oder -umbau stattgefunden.

Die Symptome sind ein klammer Gang, Schwungverlust, eine wechselnde / umspringende Lahmheit, die sich einläuft, Zehenfußung und daher vermehrtes Stolpern, Wendeschmerz und Vorstellen eines Hufes im Stand. Außerdem zeigt der Huf eine verstärkte Zehenabnutzung und neigt zum Trachtenzwanghuf.

Ursache der Hufrollenentzündung ist eine Überlastung. Hier gibt es grob zwei folgende Szenarien. Der Hufrollenkomplex wurde z.B. beim Springreiten langfristig zu stark belastet. Oder die Hufrolle ist schon leichteren Anforderungen nicht gewachsen, weil sich die Hufstrukturen im hinteren Bereich nicht ausreichend entwickeln konnten, z.B. durch unnatürliche Aufzucht der Fohlen. In dem Fall können die Hufe durch unterentwickelte Strähle, Strahlkissen und Hufknorpel die Last des Pferdes nicht richtig tragen und abdämpfen. Um der Überlastung auszuweichen macht das Pferd nun eine Zehenlandung, statt einer natürlichen Trachtenlandung. Das Pferd fußt mit dem Huf nicht mehr natürlich auf und rollt wieder ab, sondern der hintere Hufteil klappt nach dem Auffußen der Zehe abrupt nach unten. Dies belastet den Hufrollenkomplex nun seinerseits wieder unnatürlich stark. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden, um eine Heilung zu erreichen.

Falls bei Ihrem Pferd die Diagnose Hufrollensyndrom gestellt wurde, sollten sie ihm erst einmal Koppelruhe gönnen. Das Pferd sollte sich am besten im Herdenverband möglichst viel bewegen können. Bei einer reinen Überlastung reicht diese Maßnahme oft schon aus. In allen anderen Fällen kann dem Pferd mit einer sanften und korrekten Hufbearbeitung und dem Einsatz von Hufschuhe mit einer Strahleinlage das Laufen erleichtert werden. Der Bereich in dem sich das Pferd meistens aufhält sollte mit rundem Kies aufgefüllt werden. Das stimuliert den Strahl und das Strahlkissen, ohne sie zu überlasten. Denn nur wenn das Pferd wieder ohne Schmerzen korrekt auffußt und abrollt, bauen sich die unterentwickelten Hufstrukturen wieder auf. Die überlastete Hufrolle kann sich unter vorsichtiger Bewegung wieder erholen und ausheilen. Auf diese Art können sogar auf dem Röntgenbild sichtbare Schädigungen geheilt oder zumindest gelindert werden.


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