Hufrehe (Laminitis)

Hufrehe ist eine sehr schmerzhafte Hufkrankheit und der Alptraum eines jeden Pferdebesitzers. In solch einer Situation hört man oft die tierärztlichen Vorschläge, wie Rehegips, orthopädische Beschläge, starke Medikamente, Aderlass usw. Diese Maßnahmen bringen vielleicht kurzfristige Besserung, aber auf lange Sicht sind sie keine Lösung. Aus meiner Praxis weiß ich, dass man Hufrehe wieder in den Griff bekommt und das unabhängig vom Grad der Hufbeinrotation. Mein angestrebtes Ziel ist es, ihrem Pferd wieder zu gesunden und leistungsfähigen Hufen zu verhelfen.

chronische Hufrehe mit Reheringenchronischer Rehehuf mit den typischen Ringen

Unter Hufrehe oder Huflederhautentzündung wird schulmedizinisch eine aseptische (d.h. nicht durch Krankheitserreger bedingte) Entzündung der Wandlederhaut verstanden. Eigentlich ist die Bezeichnung Huflederhautentzündung nicht korrekt. Genaugenommen lösen sich die Hornblättchen von der Basalmembran, welche die Trennschicht zwischen Hufhorn und Lederhaut ist. Das bedeutet, das Problem liegt nicht an der Lederhaut, sondern in dem Bereich wo das Hufhorn weiter geschoben wird. Das hört sich jetzt vielleicht wie Kümmelspalterei an. Wenn man aber die Krankheit ursächlich behandeln will, ist es sehr wichtig zu wissen was genau vor sich geht. In der weiteren Folge löst sich die Hufkapsel ab und schiebt sich nach oben bzw. nach vorne weg. Oft wird behauptet, der Zug der tiefen Beugesehne sei Grund für diese Hufbeinrotation, doch das geht mechanisch gar nicht. Die Hufbeinsenkung wird durch zu lange Tragwände noch verstärkt. Bei längerem Bestehen der Hufrehe kommt es zu der typischen Verformung der Hufkapsel.

Die ersten auffallenden Symptome sind Lahmheit (vom klammen Gang mit kurzen Tritten bis zur hochgradigen Lahmheit, bei der die Hufe wie am Boden kleben), ein deutlicher Wendeschmerz, vermehrtes Liegen, abwechselndes Anheben der Hufe und die typische Rehestellung (Vorstellen der Vorderbeine und Unterschieben der Hinterbeine unter den Körper). Beim gezielten Beobachten kann man eine erhöhte Temperatur der Hufe, einen geschwollenen Kronrand und eine erhöhte Pulsation der Zehenarterie feststellen. Außerdem ist die Puls- und Atemfrequenz erhöht und das Pferd hat oftmals Fieber.

Die möglichen Auslöser der Hufrehe sind grob zusammengefasst: falsche Fütterung (meist zu hoher Fruktangehalt), Vergiftung, Überlastung der Hufe oder Stoffwechselkrankheiten, wie das Metabolische Syndrom (EMS) oder Cushing (ECS). Es gibt mehr als 20 sogenannte "Ursachen" von Rehe (Stress, kaltes Wasser, Medikamente,...). Der Grund für dieses vielen Hypothesen ist, dass man die wirkliche Ursache nicht kennt. Ganz einfach erklärt ist es jedoch wie bei einem Allergiker. Es gilt die auslösende Substanz oder Situationen herausfinden und dann konsequent zu meiden, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Eine akute Hufrehe ist grundsätzlich ein Notfall und bedarf einer sofortigen Behandlung! Als Sofortmaßnahmen empfehle ich folgendes:

verbreiterte weiße Linie bei Hufrehechron. Rehehuf mit gezerrter weiße Linie

  • sofortiges Weideverbot
  • die Heumenge reduzieren
  • den Ruhebereich dick einstreuen bzw. die Hufe mit Hufschuhen und Pads oder Polsterverbänden schützen
  • das Pferd nur soviel bewegen, wie es von sich aus möchte und Stress durch Herdenmitglieder vermeiden
  • korrekte Hufbearbeitung durch einen ausgebildeten Barhufpfleger
  • die Gabe von Medikamenten wie Schmerzmittel, Entzündungshemmer und Blutverdünner sollte gut überlegt werden

Anschließend muss der genaue Auslöser gefunden werden, damit das Pferd langfristig so artgerecht wie möglich gehalten werden kann. Daneben ist eine regelmäßige Hufbearbeitung wichtig, damit der Huf schnellstmöglich wieder gesund von oben herunterwächst. Das Pferd sollte die Möglichkeit haben, sich weitgehend schmerzfrei und viel zu bewegen. Hier leisten Therapieschuhe viel bessere Dienste als orthopädische Beschläge. Natürlich muss auch die Ernährung langfristig optimiert werden. Grundsätzlich sollte eine gute Heuversorgung sichergestellt sein, die je nach Bedarf mit Hafer, Sojaschrot, Leinöl und Mineralfutter ergänzt werden kann.


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