Fehlstellungen der Hufe und Beine

Fehlstellungen sind kein reines Problem der Hufe und Beine, sie können sich auf den gesamten Körper des Pferdes auswirken. Bänder, Sehnen, Knorpel und Gelenke werden ungleichmäßig belastet und umgebaut. In der Folge können Gallen, Verknöcherungen, Muskelverspannungen oder Lahmheiten entstehen. Man sagt, dass Fehlstellungen nur bei Fohlen korrigiert werden können. Dem will ich so nicht ganz zustimmen. Korrekturen die der Huf durch Wandüberstande vorgibt sollten meist auch vorgenommen werden. Alle anderen Stellungskorrekturen werden tatsächlich nur in einzelnen Fällen durchgeführt. Spezialbeschläge sind dafür natürlich die denkbar schlechteste Wahl, da eine genaue und vorsichtige Korrektur kaum möglich ist.

AchsenfehlstellungKombination aus Achs- und Rotationsfehlstellung -
die eingezeichneten Linien müssten gerade und
senkrecht verlaufen

Fehlstellung nennt man eine Verformung oder Abweichungen von der idealen Stellung der Beine oder Hufe. Wobei es in der Praxis kaum ein Pferd gibt, dass diesem, vom Menschen definierten Ideal entspricht. Es werden drei Arten von Stellungsfehlern unterschieden: Achsfehlstellungen (x-beinig, o-beinig,...), Sehnenfehlstellungen (Bockhuf, Durchtrittigkeit, rückbiegig,...) und Rotationsfehlstellungen (zeheneng, zehenweit, kuhhessig...). Durch eine Fehlstellung kommt es auch oft zu einer Gangstörung.

Die Ursachen von Stellungsfehlern sind vorrangig haltungsbedingt. Die Pferde und vor allem die Fohlen haben viel zu wenig Bewegung und das meist auf zu weichem Untergrund. Hinzu kommt oft eine vernachlässigte oder falsche Hufbearbeitung bzw. schlechter Beschlag. Daneben gibt es noch angeborene Fehlstellungen und durch schmerzbedingte Schonhaltung verursachte Fehlstellungen. Ernährungsfehler kommen nur sehr selten als Ursache in Frage.

Als erste Maßnahme muss festgestellt werden, ob eine Stellungskorrektur überhaupt möglich und sinnvoll ist. Falls der Huf die Korrektur durch Wandüberstände vorgibt, sollte die Fehlstellung korrigiert werden, wenn nötig über mehrere Bearbeitungsintervalle. Denn eine Fehlstellung verstärkt sich oft selber, und ist ohne regelmäßige Hufbearbeitung nicht behebbar. Aktive Korrekturen, bei denen in die lebende Sohle hineingearbeitet wird, müssen individuell abgewogen werden. Es gilt nämlich zu berücksichtigen, das sich die Knochen, Sehnen und Bänder schon an die Situation angepasst haben. Von weiterer Bedeutung ist, wie lange die Stellung schon besteht, von welcher Art die Fehlstellung ist und wie gut das Pferd, je nach Haltung und Nutzung, damit leben kann. Im zweiten Schritt ist für eine erfolgreiche Korrektur ausreichend Bewegung unerlässlich. Außerdem muss auf eine optimale Ernährung geachtet werden. In den Fällen einer schmerzbedingten Schonhaltung, muss zuerst das Grundproblem abgestellt werden. Einen guter Physiotherapeut oder Osteopath kann zur Begleitung hilfreich sein. Bei angeborenen Fehlstellungen muss nach der Geburt so schnell wie möglich gehandelt werden, meist mit viel Bewegung auf harten Böden, aber in Ausnahmefällen auch mit Eingriffen durch den Tierarzt.


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